Theater und Digitalität

Das Theater blickt auf eine lange Tradition als Erfahrungsraum von Demokratie, Plattform öffentlichen Gesprächs und Aushandlungsort gesellschaftlicher Werte zurück. Die Digitalisierung hat diesen Raum ins Internet erweitert. Seit seiner Gründung hat nachtkritik.de stets starkes Gewicht auf den Veränderungsprozess gelegt, den die Digitalisierung im Theater in Gang gesetzt hat. Das betrifft nicht nur Theaterformen, die Digitalisierung und von ihr ausgebildete neue Kulturtechniken, Technologien, Kanäle und Diskurse aufgreifen. Parallel dazu wurden immer wieder grundsätzliche Überlegungen angestellt. Seit 2013 hat nachtkritik.de im Rahmen der gemeinsam mit der Heinrich Böll Stiftung entwickelten und ausgerichteten Konferenz “Theater und Netz” jährlich unterschiedlichste Aspekte beleuchtet, wie Theater und Digitalisierung aufeinander einwirken. Die Pandemie hat auf diese Entwicklung noch einmal wie ein Katalysator gewirkt Der Themenschwerpunkt “Theater und Digitalität” versammelt zentrale Essays und Beiträge auf nachtkritik.de zum Thema.

Die wichtigsten Texte zum Thema

Intime Räume

Kopftheater aus der App

von Christian Rakow

2. Juli 2020. Die erste Erscheinung des Neuen ist der Schrecken. Auch im interaktiven Netztheater. Als Christopher Rüping seine experimentierfreudige Web-Serie "Dekalog" am Schauspielhaus Zürich startete, da haperte es technisch noch an allen Enden. Der Sprecherton des Solisten Thomas Wodianka kam mit Sekunden Verzögerung an, verhinderte den Schauspielgenuss. Und das Publikum im begleitenden Chat zeigte entsprechend Zähne und schüttete wonnig seine Häme aus. Für die folgenden Teile schalteten die Zürcher*innen den Chat zur Aufführung ab, das Publikum durfte fürderhin als anonymer Massenmensch am Geschehen teilhaben, mit den für die Serie charakteristischen Ted-Abstimmungen über den Verlauf der Geschichte.

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