Kommentar: Barbara Mundel soll Intendantin der Münchner Kammerspiele werden

München-Kennerin mit Experimentierlust

21. September 2018. Barbara Mundel also. Eine geradezu salomonische Wahl von Münchens SPD-Kulturdezernent Hans-Georg Küppers, der seit knapp zehn Jahren Verantwortung trägt.

Vorkämpferinnen für mehr Diversität: Drei Schwarze Theatermacherinnen stellt die Theaterwissenschaftlerin Azadeh Sharifi vor

Dekolonisiert die Bühnen / Decolonizing the Stage

Geschlechterungerechtigkeit im Theaterbetrieb - eine Diagramm-Serie zu den Zahlen & Fakten

Gender Gaps

23. August 2018. Seit zwei Jahren kann man es wissen: Es herrscht eine krasse Schieflage im Theaterbetrieb, wenn es um die Repräsentanz von Frauen und Männern geht: In Leitungspositonen und im Regie-Fach gibt es sehr viel weniger Frauen als Männer, unter den aufgeführten Schauspielautor*innen sind sie in der Minderzahl, ebenso wie zumeist in den Ensembles.

Kommentar: Benedikt von Peter wechselt 2020 aus Luzern nach Basel ans größte Dreispartenhaus der Schweiz

Große Schuhe

von Valeria Heintges

Basel, 21. August 2018. Benedikt von Peter also. Der, der die Luzerner mit seinem "Raumtheater" begeistert, ihnen die Holz-Box als Kleine Bühne vor das ehrwürdige Theater gesetzt und es in jeder Hinsicht geöffnet hat, der den "Jedermann" auf den Jesuitenplatz platzierte, die Jesuitenkirche gleich mit bespielte, den Biedermann mit seinen Brandstiftern den Zuschauern ins Wohnzimmer schickt und Herbert Fritsch für Ligetis Oper "Le grand Macabre" zurück ins Luzerner Theater holte (wo er schon 2005 als Regisseur arbeitete). Der Benedikt von Peter, der sich mit der Freien Szene zu verbinden weiss, etwa die Off-Bühne Südpol integriert und mit dem Musikfestival B-Sides zusammenarbeitet. Der "sehr beliebte" von Peter, dessen Sozialkompetenz überall gelobt wird. Und der Benedikt von Peter, der keine Scheu hat, das Luxus-Uhrengeschäft Bucherer als Hauptsponsor an Bord zu holen (mit, so munkelt man, einer halbe Million Franken im Gepäck).

Schule machendes Beispiel? 80 Millionen vom Bund für die Sanierung des Mannheimer Nationaltheaters - Ein Kommentar

Trendwende oder Eintagsfliege?

von Harald Raab

Mannheim, 2. August 2018. Deutschlands reichhaltige Theaterlandschaft ist als Weltkulturerbe angemeldet. Doch ohne zahlungs- und leidensbereite Städte und ein paar Landkreise gebe es wohl keine Chance für die Bühnen, von der UNESCO überhaupt in die Weltkulturerbe-Liste aufgenommen zu werden. Die Kommunen sind es auch, die die finanzielle und logistische Hauptlast tragen. Und zwar auf beiden Verantwortungsfeldern: dem Stemmen der jährlichen Betriebskosten und der immer dringlicher werdenden Frage: Wer bringt die Millionenbeträge auf, die laufende und dringend anstehende Sanierungsmaßnahmen für die oft maroden Häuser erforderlich machen? Wenn nicht gar ein Neubau unumgänglich wird. Hier geht es bei weitem nicht nur um historische, in der Regel weit über 100 Jahre alte Gebäude. Auch unter den nach dem Zweiten Weltkrieg erbauten Theatern gibt es inzwischen viele Sanierungsfälle.

Der Theaterpodcast (5) - Susanne Burkhardt und Elena Philipp über die Schauspielkritik von Fabian Hinrichs und Milo Rau und über Mitarbeiterproteste in Köln und Cottbus

Service / No Service

1. Juni 2018. Mit einem Paukenschlag endete das diesjährige Berliner Theatertreffen: Fabian Hinrichs, Schauspieler und Alleinjuror des Alfred-Kerr-Darstellerpreises, rechnete in seiner Laudatio mit dem Regietheater ab. Zu viel "Servicepersonal" habe er in den Inszenierungen des Theatertreffens gesehen, kaum eigenständige Schauspiel-Künstler. Ist diese Spezies in ihrem Fortbestand bedroht? Um Hinrichs' Rede geht es in der Mai-Ausgabe von Der Theaterpodcast. Und es geht ein weiteres Mal um Machmissbrauch im Theaterbetrieb: In Köln wurden Mobbing-Vorwürfe laut, in Cottbus hat das Musiktheater-Ensemble mit seinem Protest die Absetzung der Leitungsebene erreicht.

Interview mit der Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp über die Aus- und Wiedereinladung der Band Young Fathers und die israelfeindliche Kampagne BDS

"Es ging um meine Glaubwürdigkeit"

Interview: Sarah Heppekausen

11. Juli 2018. Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp steht heftig in der Kritik. Der Dramaturgin und Festivalmacherin wird eine fehlende Haltung gegenüber der israelfeindlichen Bewegung BDS ("Boycott, Divestment, Sanctions") vorgeworfen. Anlass ist die Wiedereinladung der BDS-unterstützenden Pop-Band Young Fathers, nachdem Carp deren für den 18. August geplantes Konzert zunächst abgesagt hatte. Auch von Seiten der nordrhein-westfälischen Landespolitik gibt es Gegenwind. Am vergangenen Montag traf man sich zu einem "konstruktiven Gespräch" mit NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. Carp veröffentlichte im Anschluss einen Brief an die Mitglieder des Kulturausschusses, in dem sie sich zum Existenzrecht Israels bekennt. Im August beginnt Carps erste Ruhrtriennale-Saison – ein Neustart, der nun schwer belastet ist. Sarah Heppekausen sprach mit Stefanie Carp über den Verlauf des Falls, über Meinungsänderungen und das Eintreten für Grundrechte.

Das Genter Manifest - Das neue Leitungsteam des NTGent um Milo Rau gibt sich zehn radikale Regeln

Stadttheater der Zukunft

von Milo Rau, Stefan Bläske, Steven Heene, Nathalie De Boelpaep und dem Team des NTGent

Gent, 18. Mai 2018.

Vorbemerkung

Jede Institution hat Regeln, so auch das Theater, doch werden sie kaum jemals bekannt gemacht. Zum Beispiel ist es an fast allen deutschen Stadttheatern eine unausgesprochene Regel, dass Produktionen (wenn überhaupt) nicht über die Sprachgrenzen hinaus getourt werden – aus Kostengründen oder wegen der Unmöglichkeit, Techniker und Schauspieler entsprechend zu disponieren. Das betrifft auch die Inhalte: Es werden die immer gleichen Klassiker des bürgerlichen Zeitalters gespielt, von Schnitzler über Ibsen bis Dostojewski und Tschechow. Neu entwickelte oder gar aussereuropäische Stücke kommen, wie nichtprofessionelle oder fremdsprachige Schauspieler, Aktivisten oder freie Gruppen nur in Seitenprogrammen und auf Studiobühnen vor. Man muss sich entscheiden: Freie Szene oder Stadttheater, Produktion oder Distribution, Klassikeradaptionen für ein bürgerliches Publikum oder internationaler Tour-Zirkus für die globalen Eliten.

Wie autonom ist die Kunst in Zeiten von #MeToo und Sexismusdebatten? - Interview mit Schauspielerin Linda Pöppel über ihre Rolle einer Prostiuierten in "In Stanniolpapier" am Deutschen Theater Berlin

"Ich mache mich verletzlich"

Interview: Esther Slevogt

29. Juni 2018. Wie weit kann man in Zeiten von #MeToo- und Sexismus-Debatten bei der Darstellung von sexueller Gewalt auf der Bühne gehen? Darum dreht sich die Diskussion, die sich nach Sebastian Hartmanns Inszenierung In Stanniolpapier bei den Autorentheatertagen am Deutschen Theater entzündet hat. Die Inszenierung entstand auf der Basis eines Textes von Björn SC Deigner, der sich mit der Geschichte einer Frau befasst, die als Kind missbraucht wurde, später in der Prostitution landet, sich aber nicht als Opfer sieht. Während Janis El-Bira in seiner Nachtkritik faszinierende transmediale Alptraumbilder in einer Performancefolterkammer beschrieb, fanden andere Kritiker*innen, Hartmann verdrehe die Intention des Stücks in ihr Gegenteil und mache die Frau zum Objekt. Im Kommentarthread wurden Parallelen zur Metoo-Debatte gezogen, der Abend auch in der Redaktion kontrovers diskutiert. Aber wie sieht eigentlich DT-Schauspielerin Linda Pöppel die Sache, die die Figur spielt und mitgestaltet hat?