Medienschau - FAZ – Porträt von Salzburg-Chefin Helga Rabl-Stadler

Wenn es gut geht

Rabl-Stadler wage, was sich vor ihr kein Kulturmanager zutraute: "Sie lässt die Schauspieler und Sänger wieder auftreten, vor einem vergleichsweise großen Publikum (,,,). Sie bricht den Bann, wonach in Corona-Zeiten die darstellende Kunst pausieren muss", schreibt Ralph Bollmann in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "Geht es in Salzburg gut, haben Theater und Konzertsäle auch andernorts die Aussicht, bald wieder ein größeres Publikum zu empfangen und, vor allem, auch Einnahmen zu erzielen." Die Präsidentin selber glaube, dass es gutgeht, sonst hätte sie es nicht gemacht: "Ich sehe uns als Hoffnungsträger, nicht als Risikoträger".

Ermöglicht worden sei die Öffnung "durch eiserne Nerven und die Fähigkeit zum Durchhalten", durch ein strenges Sicherheitskonzept, durch abwarten bis Ende Mai als sich die Vorgaben der Kulturpolitik tatsächlich wieder drehten: Ab 1. August dürfen in Österreich wieder Veranstaltungen mit bis zu tausend Besuchern stattfinden, generell und überall, "eine Ausnahme speziell für die Salzburger Festspiele hatte Rabl-Stadler immer abgelehnt.“

Angesichts des abgespeckten Programms musste die Präsidentin neu rechnen und sagt: "Wir glauben, dass wir künstlerisch Sinnvolles und wirtschaftlich gerade noch Vertretbares machen können." Von den den ursprünglich geplanten 200 Vorstellungen finden 110 statt. Die Zahl der angebotenen Karten verringert sich von 240.000 auf 80.000, "in Corona-Zeiten immer noch eine stolze Zahl ist – und für die Finanzen trotzdem ein Desaster: Aus dem Kartenverkauf werden die Festspiele statt der erwarteten 30 Millionen Euro dieses Jahr voraussichtlich nur 7,5 Millionen Euro einnehmen."

Aus dem Budget werden 300.000 Euro für die Corona-Sicherheit verwendet, das meiste davon für umfangreiche Tests. Das Orchester darf in gewohnter Stärke spielen. "Die Musiker müssen sich jedoch regelmäßig testen lassen und außerdem über ihre – möglichst sparsamen – Sozialkontakte penibel Buch führen. Je enger ein Mitarbeiter mit dem Bühnengeschehen in Kontakt kommt und je schlechter er die Abstandsregeln einhalten kann, desto strikter wird er überwacht – abzulesen an Halsbändern in den Farben Rot, Orange oder Gelb, die alle Mitwirkenden tragen müssen."

Was den Festivalbetrieb betrifft, wähne sich Rabl-Stadler einigermaßen sicher. "Die Gefahren sieht sie draußen. 'Ich mache mir große Sorgen, wie es in der Gastronomie zugeht, auch in Salzburg', sagt sie. 'Dafür kann ich meine Hand nicht ins Feuer legen.' Auch ganz persönlich ist ihr das Treiben unheimlich." Das Risiko sehe sie aber als Bestätigung für ihr Sicherheitskonzept. "Wir tragen eine große Verantwortung. Wenn es bei uns gutgeht, dann ist der Weg für andere gebahnt."

(sik)

 

Kommentare

Kommentare  
#1 Coronaprävention Salzburg: HoffnungTolliver70 2020-07-28 14:45
Danke an die Verantwortlichen der Salzburger Festspiele! Ein Hoffnungsschimmer für alle Theaterschaffenden und Theaterliebhaber.
#2 Coronaprävention Salzburg: WunschdenkenThomas Rothschild 2020-07-28 17:22
"Geht es in Salzburg gut, haben Theater und Konzertsäle auch andernorts die Aussicht, bald wieder ein größeres Publikum zu empfangen und, vor allem, auch Einnahmen zu erzielen." Und wenn es nicht gut geht? Ob Hoffnungsschimmer oder Hasard, wissen wir in einem Monat.
#3 Coronaprävention Salzburg: HotspotNils van Jindelt 2020-07-29 11:47
Vielleicht ist es ja ganz unwichtig, ob die Salzburger Festspiele stattfinden oder nicht. Vielleicht ist dieses Eingeständnis zu schmerzhaft. Alle Festivals wurden abgesagt. Wir nicht! Vielleicht ist ein solcher (unsinniger) Triumph befriedigend. Koste es, was es wolle. Ein Hotspot für die gut situierte Risikogruppe. Vielleicht gelingt dort, was im Alten- und Pflegeheim vermieden wurde.
Entschuldigung, aber das Ganze ist nur noch zynisch. Kultureller Hochgenuss trotz Pandemie. Wir können es uns leisten.
#4 Coronaprävention Salzburg: neue Wege findenOlaf 2020-07-29 21:40
Zynismus, sehr geehrter Herr van Jindelt, ist hier Fehl am Platze. Jedem ist klar, dass Gefahren bestehen. Aber es ist auch wichtig, neue Wege zu finden. Ich wünsche, die Salzburger Festspiele finden einen Weg, um Kultur wieder möglich zu machen. Alle, die Kultur vermitteln, in diesem Sektor beschäftigt sind, brauchen solch einen Erfolg und die Möglichkeit, Kultur zu präsentieren. Wer da zynische Antworten zu finden meint, scheint auf der sicheren Seite zu arbeiten und muss sich vielleicht keine Sorgen machen. Ich wünsche den Salzburger Festspielen viel Erfolg, ein sicheres Konzept und bleibt gesund. Fatal wäre es, wenn das Konzept scheitert. Dann sehe ich die Nils und all die anderen erhobenen Zeigefingers. Doch wir müssen es lernen, mit dem Virus zu leben und dabei Konzepte für die Kultur entwickeln. Ohne Theater wird das Leben ... denkt den Satz einfach weiter.
#5 Coronaprävention Salzburg: es kaonn jao a guad gehbäuerl 2020-07-30 09:45
jedes jaohr is der jedermaonn do!
der reiche maonn/frau bei die fest-spühle.
wie wirts in die coronazeiten sei?
es kaonn jao a guad geh - wenns oba schiefgeht?
wia kaonn ma des vorher scho wissn?
I würd oba ned dafür mei haond ins virus-feier legn!
oba von mier aus solls guad geh -
des wünsch ii jedenfois den fest-spühln
#6 Coronaprävention Salzburg: BäuerleinGernot P. 2020-08-01 12:57
Herr Bäuerl, wenn Sie schon im Dialekt über die Salzburger Festspiele schreiben, dann sollten Sie nicht fest-spühln schreiben (man denkt sogleich dabei an fest (stark) spülen oder das Fest spülen) sondern eher richtig: bei die Festspüh, und den Festspühn. - Sollte denn Ihrer Meinung nach dieses weltbekannte Fest gespült werden, so wie man Geschirr
in der Abwasch spült? Welches Geschirr? Das teure Geschirr der Reichen etwa? Und die Ironie dabei sollte wohl sein, dass der "Jedermann" auch der "reiche Jedermann" genannt und verflucht wird von den Armen und vom "Schuldknecht", und am Ende dann doch durch Reue und Einsicht "entsühnt" zur christlichen Erlösung gelangt. (Die vielschichtige, von Philosophen und Theologen immer wieder erörterte Frage nach der Sinngebung des Lebens und der Bewältigung des Todes, wird im "Jedermann" ganz einfach mit: "Tue Gutes und glaube!" beantwortet.)
Sie jedoch machen sich hier in unsensibler Weise offensichtlich über die Salzburger Festspiele und über den reichen Jedermann lustig, derart, wie es mir noch nicht unter-gekommen ist. Sie schreiben z. B.: meine Hand ins Virus-Feier (also Feuer) legen. Wird denn das Virus gefeiert werden, oder wie meinen Sie das? Da muss man schon um etwas mehr Ernsthaftigkeit bitten in diesen nicht unproblematischen Zeiten der Corona-Krise. Darüber sollte man doch nicht spaßen! Die diesjährigen Festspiele sollten doch besser zu keiner verantwortungslosen Corona-Party ausarten, denke ich.
#7 Coronaprävention Salzburg: gemma bisserl sterbenBäuerl 2020-08-01 17:33
Entschuldigen Sie schon Herr Gernot P.!
Natürli hat der Jedermann-Kult der wos in Salzburg gepflegt wird auch
Kritik hervorgerufn. De Kritiker habn sich zum Beispüh daron gstört, das
des privilegierte Festspühpublikum die finale Bekehrung und die Leuterung
am End von dem reichn Mann auf der Bühen obn heuchlerisch be-klotscht hat, um sich nocha um so ungestörter und z`friedener (mit der Selbstzufriedenheit der Reichn) sich den eignen Party-Freudn und dem lustigen Rauschigsei hingeben zu können. Nicht wahr! Und der Helmut Qualtinger haot schon 1958 mit dem Song "Jedermann-Kollapso" des Salzburger "Alle-Jahre-wieder-Speck-Dackl" ordentlich verulkt:
"Komm Mister Jedermann gemma bisserl sterben." - Jedes Jaohr is der
Jedermann do!
#8 Coronaprävention Salzburg: Elite-MelangeÉgalité 2020-08-02 12:44
Tja, als ich gestern abend auf 3sat das 'Elite Publikum' dort rumstehn & sitzen sah (der Handke war auch zu sichten), hab ich mich doch mal wieder gefragt, wie lange muss ich mir diese Art von Promi-Reichen- Melange noch vorführen lassen...sterben die nie aus oder was?
Wenn das Theater weiterhin sowas bedient, dann ahnen wir, dass sich nix ändern wird.
#9 Coronaprävention Salzburg: Vom ewigen LebenThomas Rothschild 2020-08-02 15:44
Verehrte(r) Égaltité, aber diese Promi-Reichen-Melange ist doch die Raison d'être der Salzburger Festspiele. Nachdem ich 25 Jahre von den Festspielen berichtet habe, weil Scelsi und Sokolov, Perceval und Hermanis über den Kreis der großbürgerlichen Selbstdarsteller hinaus Beachtung verdienen, erhielt ich in diesem Jahr ein Schreiben, wonach die Salzburger Festspiele bedauern, dass sie mir "in diesem Jahr der Pandemie und trotz Ihrer langjährigen Festspieletreue mitteilen zu müssen, dass es diesen Sommer nicht möglich sein wird, Ihnen Pressekarten zur Verfügung zu stellen“. So weit, so betrüblich, aber immerhin verständlich, wenn man die Plätze doch für die Sponsoren und die Ehrengäste benötigt. Die Presseabteilung betrachtet die hochsubventionierten Eintrittskarten als Privatbesitz und deren Vergabe an Kritiker eben als Gunstbeweis. Nicht ganz so nachvollziehbar ist der folgende Satz: "Die gute Nachricht ist, dass wir Pressetexte und Podcasts mit Interviews sowie Pressetexte produzieren, die wir allen Journalisten zur freien Verwendung in ihren Medien zur Verfügung stellen.“ Offenbar entspricht es der Vorstellung Helga Rabl-Stadlers und des auf allen Linien enttäuschenden einstigen Hoffnungsträgers Markus Hinterhäuser von einer kritischen Öffentlichkeit, dass die Medien anstelle von Besprechungen durch leibhaftig anwesende Journalisten von den Veranstaltern produzierte Pressetexte veröffentlichen. Ganz neu ist die Zumutung nicht. Aber wenn das Schule macht.
#10 Coronaprävention Salzburg: Kritik wird gebrauchtReiner Schmedemann 2020-08-02 20:49
#9: Sehr geehrter Thomas Rothschild, ich danke Ihnen, dass Sie dieses Vorgehen der Salzburger Festspiele öffentlich machen. Ich will unabhängige Kritiken lesen und keine Werbeartikel der Salzburger Festspiele. So beginnt das Ende einer Theaterlandschaft, die systemrelevante Gesellschaftskritik liefern könnte. Theater nur noch als banaler Eventtempelpel für die Upper Class. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das, das Theater ist, das Regisseure wie Richter, Mondtag oder Voges sich vorstellen. Es lebe die unabhängige Kritik der zukünftigen Theaterinszenierungen.
#11 Coronaprävention Salzburg: Jedermann-KollapsoG. K. Hanke 2020-08-03 09:16
Der Tod (der hinter dem Corona-Virus lauert):
Is der Jedarmann do?
Jedermanns Lustiger Gesell:
Jao, der is imma do!
Der Tod:
Jedarmann, Briaderl kumm deine Stunden-Sand um!
Jedermann:
Was is das für eine schiache schreckliche Stimm?
Die verfolgt mich jetzt allweil mit wildem Grimm!
Stimmen:
Jedarmann - J E D A R M A N N !
Jedermanns Lustiger Gesell:
Jedermann, deine reichen Stundn-Sand um!
Jedermann:
Nein, nein das kann nicht sein!
Jedermanns Lustiger Gesell:
Ich werd`auch ned mitgeh mit dir in dein schwarzes Grab
weil i do so a lustiges Leben hier hab`!
Denn daonn wär i schön dumm
wenn i mit dir mit-gangert!
Der Tod:
Komm, Mister Jedermann, gemma bisserl Stearbn!
Der Armen Chor:
Briaderl kumm, deine Stundn-Sand um!
Jedermanns Lustiger Gesell:
Jedes Joahr is da Jedermann do!
Auch im Corona-Krisen-Joahr is er wieda do!
Jedermann (wendet sich an die Buhlschaft):
Und du meine Buhlschaft,
willst auch du nicht mit mir gehn?
Buhlschaft (sie erbleicht):
Mit dir gehn? In dein GRab? Nein.
Das kann ich nicht.
Jedermann:
Und warum nicht?
Buhlschaft:
Heute nur heut bin ich so schön -
morgen, ach morgen muss alles vergehn!
Jedermanns Lustiger Gesell:
Ha! jetzt is da Jedarmann von allen verlossn
so wiera Stoa in da Salzburger Gossn!
TOD:
Komm, Mister Jedermann, gemma bisel Stearbn!
Der Armen Chor:
Brüderl kumm, deine Lebensstund`-Sand um!
Jedermanns Lustiger Gesell:
Jao, dao hüft goar nix! (singt)
Da streiten sich die Leut`herum
oft um den Wert des Glücks,
der eine heißt den Andern dumm -
am End`weiß keiner nix.
TOD (macht einen Coronavirus-Tanz):
Immer wieder stirbt dieser reiche Stuza!
Der Schuldknecht:
Hauts ihm einäh auf den großn Blut-zah!
TOD:
Jeda - Jedarmann
hasst für Salzburg genug getan!
Jedermanns Lustiger Gesell (springt wild herum):
Jetzt hot oba a jeda scho gnua!
Sperrts doch endlich den Domplotz zua!
Ii jeden Falls hob scho mehr ois gnua
von diese vermoledeitn ViruSS-Krisen-Zeitn!
die jo auch Todeszeiten-Sand, oder ned?!
I bin ma oba sicher
mi darwischt a ned der DOD!
obwohl i über-roll lust-dick bin dabei bei die Feuern!
Der Armen Chor:
Geh, Brüderl, kumm - auch deine Stund is einmol um!
Jedermanns Lustiger Gesell:
Heut aber no ned, und morgen a ned!
Und a übermorgen ned!
Der Armen Chor:
Aber irgendwann, irgendwann einmal! -
Vielleicht, vielleicht schon bald!

(Unter Verwendung des "Der Jedermann-Kollapso",
gesungen von Helmut "Quasi" Qualtinger, Text Gerhard Bronner)

Für die deutschen nk-Kommentar Leser die möglicherweise, am End` noch nicht das "Hobellied" kennen.
Das Hobellied ist ein Wiener Couplet aus dem Alt-Wiener Zaubermärchen
"Der Verschwender" von Ferdinand Raimund aus dem Jahr 1834, das sich als
Wienerlied und Volksweise etabliert hat.
Ein "Zaubermärchen" sind diese gegenwärtigen schwierigen Zeiten ja leider nicht, vielleicht wird unser Leben "nachher" etwas mehr danach.

Jedermanns Lustiger Gesell (singt ganz wie Josef Meinrad):
Da streiten sich die Leut`herum,
oft um den Wert des Glücks,
der eine heißt den andern dumm,
am End`weiß keiner nix.
Da ist der aller-ärmste Mann dem andern viel zu reich,
das Schicksal setzt den Hobel an
und hobelt alle gleich.

Vielleicht dazu noch "AlpinWiki": Schwanda Hans -
(. . .) Wir müssen folgendes Faktum akzeptieren: Der als leicht
sinnig bekannte Wiener ist in Wirklichkeit gar nicht so leicht
sinnig. Der leichte Sinn des Wieners ist etwas ganz anderes als
Leichtsinn.
"Zeigt sich der Tod einst, mit Verlaub,
und zupft mich: Brüderl, kumm!
Dann stell`ich mich am Anfang taub
und schau mich gar nicht um!"
So singt der Tischlergeselle Valentin in Ferdinand Raimunds Zauber
spiel "Der Verschwender". Dieses Theaterstück war im 19. Jahrhundert
ein großer Erfolg, es wird auch heute noch immer wieder gespielt.
Valentin singt weiter über den Tod:
"Doch sagt er: Lieber Valentin, mach keine Umständ! Geh!
Dann leg`ich meinen Hobel hin und sag`der Welt: Adieu!"
So schön und so leicht erscheint in Wien sogar das Sterben!
In Wirklichkeit ist es genauso schrecklich wie in Düsseldorf
oder Leningrad. Ferdinand Raimund hat oft auf Bäume sitzend seine
berühmten Theaterstücke geschrieben (Einwurf Hanke: Sieh mal einer an!),
aber zuletzt hat sich der Dichter aus Lebensangst erschossen!
Jedoch: Solange Raimund schrieb, schrieb er"mit leichter Hand".
Das ist eine urwienerische Vorstellung: Man gibt allem Schweren nicht zuviel Gewicht" (. . .)
Karl Lukan
Quelle: Der Bergsteiger 197O, Heft 7, Seite 528-531

Kommentar schreiben