Überraschend soll es sein

14. September 2018. Der neue Intendant der Ruhrfestspiele Recklinghausen, Olaf Kröck, holt den Dramaturgen und Regisseur Jan Hein als Chefdramaturgen. Das gaben die Ruhrfestspiele heute in einer Presseaussendung bekannt. Zuletzt war Jan Hein bei Intendant Armin Petras Leitender Dramaturg am Schauspiel Stuttgart.

Jan Hein studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie in Köln und war danach Regieassistent bei Peter Palitzsch und Dimiter Gotscheff. Von 1996 bis 2012 arbeitete er mit dem Regisseur Thorsten Lensing zusammen; gemeinsam inszenierten die beiden u.a. Tschechows Onkel Wanja und Der Kirschgarten in den Berliner Sophiensaelen.

Als Dramaturg arbeitete Jan Hein mit Tom Stromberg am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, mit Elisabeth Schweeger am Schauspiel Frankfurt und Karin Beier am Schauspiel Köln. Tätig war er für Regisseur*innen wie u.a. Dimiter Gotscheff, Jürgen Gosch, Laurent Chétouane, Sebastian Hartmann, Jürgen Kruse, Karin Beier, Jan Bosse, Katie Mitchell, Viktor Bodo, Schorsch Kamerun, Stefan Pucher, Robert Borgmann, Armin Petras, Stephan Kimmig, Jossi Wieler, Frank Castorf, Kay Voges und Claus Peymann. Von ihm betreute Produktionen waren eingeladen zum Berliner Theatertreffen, den Mülheimer Theatertagen und Wiener Festwochen, zum Festival d'Avignon und den Ruhrfestspielen Recklinghausen.

Die ersten Ruhrfestspiele unter der neuen Intendanz finden im Mai und Juni 2019 statt. "Gemeinsam mit dem Intendanten Olaf Kröck ein relevantes, zeitgenössisches, internationales Programm zu entwickeln, inhaltliche Schwerpunkte zu setzten, Kontakte zu knüpfen, Menschen zusammenzubringen und neue Formate zu konzipieren, einen offenen Ort der Begegnung zu entwerfen, anziehend, spannend, gegenwärtig und wichtig für die Besucher*innen und die Künstler*innen, ist mein leidenschaftliches Anliegen – der Tradition verpflichtet und der Zukunft, für die Region und weit darüber hinaus. Überraschend sollte es sein", ließ der designierte Chefdramaturg Jan Hein anlässlich seiner Ernennung wissen.

(Ruhrfestspiele Recklinghausen / eph)

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#1 Jan Hein: nicht zu Ende gedachtThomas Rothschild 2018-09-14 19:42
Jan Hein gehört ohne Zweifel zu den intelligenteren unter den gegenwärtigen Dramaturgen. Einige Produktionen, an denen er beteiligt war, zählen zu den Höhepunkten der jüngeren deutschen Theatergeschichte. Seine Absichtserklärung freilich ähnelt zum Verwechseln den Auskünften von Theaterleuten, die dieser Tage irgendwo eine neue Stelle antreten oder sich dafür bewerben. Wer von ihnen wollte nicht "ein relevantes, zeitgenössisches, internationales Programm entwickeln, inhaltliche Schwerpunkte setzen"? Wofür genau steht Hein? Was ist sein Profil? Was hat Jürgen Gosch mit Viktor Bodo, was Jan Bosse mit Katie Mitchell, was Schorsch Kamerun mit Jossi Wieler, was Frank Castorf mit Claus Peymann gemeinsam? Das ebenso gängige wie nichtssagende Schlagwort heißt "überraschend" - wie zuletzt bei Anna Badoras Shylock-Wahl in Wien. Überraschend, aber nicht zu Ende gedacht. Das Grundprinzip einer Konsumgesellschaft. Aber reicht das als dramaturgisches Bekenntnis?

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