Gemachtes Nest

von Esther Boldt

Frankfurt am Main, 31. Mai 2007. Die Bombe platzte leise. Bei der gestrigen Pressekonferenz zur Festwoche "goethe ffm" sagte Elisabeth Schweeger, Intendantin des Schauspiels Frankfurt, in einem Nebensatz, dass sie 2009 gehen werde. Und schob im Hinblick auf Goethe mit einem leichten Lächeln hinterher, Frankfurt sei eine Stadt für Durchreisende.

In den letzten Wochen ist bereits vielfach darüber spekuliert worden, ob Elisabeth Schweegers Vertrag, der 2009 ausläuft, verlängert wird. Sowohl Prof. Dr. Felix Semmelroth, Kulturdezernent der Stadt Frankfurt, als auch die Intendantin waren in dieser Hinsicht äußerst zurückhaltend. Im Gespräch bestätigte Elisabeth Schweeger, dass sie ihren Vertrag nicht verlängern wolle. "Acht Jahre sind genug, auch für eine Stadt."

Die 53-jährige Elisabeth Schweeger hatte 2001 die Nachfolge von Peter Eschberg angetreten und seitdem Theater und Stadt mit ihrem intellektuellen wie zeitgenössischen Programm systematisch gefordert: Armin Petras kam mit der gebürtigen Österreicherin ans Haus und gründete 2003/04 die Nebenspielstätte Schmidtstraße 12 als Experimentierfeld für jüngere Theatermacher. Auch die Regisseurin und Choreografin Wanda Golonka konnte fest ans Haus gebunden werden.

Mit einem Programm, das neben dem Schauspiel philosophische Salons, künstlerische Kongresse und zahlreiche Festivals aufweist sowie mit dem stets neuen Versuch ästhetischer Grenzgänge und dem systematischen Aufbau eines neuen, recht jungen Ensembles stieß Elisabeth Schweeger bei Stadt und Publikum nicht immer auf Gegenliebe, hat in den vergangenen Jahren jedoch nach ersten Einbrüchen wieder ein Stammpublikum aufbauen können.

Sie habe das Haus gut aufgestellt, so Schweeger, und es auch international als Marke etablieren können: "Mein Nachfolger kann sich ins gemachte Nest setzen." Sie selbst ist bisher ohne eine neue Position. Zuletzt war die promovierte Philosophin für die Intendanz des Thalia Theaters in Hamburg im Gespräch. In der Endrunde entschied sich die Findungskommission jedoch für Joachim Lux.

Die Stadt zeigte sich nicht überrascht von Schweegers Entscheidung. Für Frankfurt gilt es nun, bis Ende des Jahres einen Nachfolger zu finden; die Entscheidung soll noch in diesem Jahr fallen. Eine Findungskommission möchte Kulturdezernent Semmelroth hierfür nicht einberufen, die Verantwortung liege bei der hiesigen Kulturpolitik.

 

Kommentare

Kommentare  
#1 Keine BombeUlrich Heinse 2007-06-01 10:58
Liebe Esther Boldt, da irren Sie - eine Bombe ist nicht geplatzt, da war keine mehr.
Eine Bombe wäre, wenn ein/e auf dem Höhepunkt stehender Intendant/in überraschend seinen Abgang ankündigt.
Dass Schweeger nicht in Frankfurt/M. bleiben würde stand längst fest, Gerüchte mit der Burg, angebliche Verhandlungen mit dem Thalia, wofür sie sonst noch im Gespräch gewesen sein soll (will?) - egal...
Mit dem Wechsel von Petras nach Berlin, der dort nun als Super-Intendant eine Reihe großstädtischer Bühnen gleich mitbespielt (Frankfurt, Thalia, demnächst Köln geben sich mitunter als Nebenspielstätten des Gorki her) war das Pulver feucht geworden...
Nun ist nur noch relevant, ob das selbstgeknüpfte Netz "Goethe-Biennale Frankfurt" sie - notfalls - auffangen wird. Vielleicht gar keine so schlechte Idee, auch wenn diese Personalie für ihren Nachfolger eine Crux wäre.
#2 Keine Bombe 2esther boldt 2007-06-01 19:29
Lieber Ulrich Heinse, natürlich war es keine Überraschung, das steht ja auch im Text, mich hat nur die Beiläufigkeit der Bekanntgabe verwundert - dafür sollte die "Bombe" stehen. Einen wackeligen Standpunkt hatte Frau Schweeger ja von vorne herein, da hat Petras' Abzug m.E. wenig zu beigetragen.
#3 zum Ende der Intendanz Schweeger in Frankfurt 1Hans W. Fedder 2007-08-12 16:53
Welch ein Glück für Frankfurt, daß Frau Schweeger mit ihrem Regietheater endlich verschwindet. Der Regievandalismus war nicht mehr auszuhalten. Ich befürchte nur, daß nichts Besseres nachkommt.
Da werde ich mich dann weiter auf´s Radiohören konzentrieren, denn mein Opernabonnement habe ich schon lange gekündigt.
#4 zum Ende der Intendanz Schweeger in Frankfurt 2thomas silenz 2007-08-15 17:23
na ja, mein lieber hans w. fedder, was ihr gekündigtes opernabonnement mit der frau schweeger zu tun hat, müssen sie mir mal erklären: frau schweeger ist schauspielintendantin und hat mit der oper nix zu tun. und dann können sie mir auch gerne erklären, was sie mit "ihrem regietheater" meinen, denn das hat sie ganz bestimmt nicht erfunden und dieser begriff ist schon aus sich heraus total unsinnig - verstehe nicht, dass der noch immer durch presse und kritik geistert. dass es regisseure gibt, ist spätestens seit max reinhardt so (eigentlich schon viel früher) und dass es schlechte regisseure gibt und mitunter auch misslungene inszenierungen, will wohl auch keiner bestreiten. aber gott-sei-dank gibt es auch viele regisseure, denen viel daran liegt, theater in einen aktuellen ästhetischen bezug zur gegenwart und manchmal sogar in bezug zu einer zukunftsvision zu setzen. das ist wichtig, weil theater sonst bald wirklich nur mehr museum und selbstreproduktion ist und mit kunst nichts mehr zu tun hat. und das war ja auch immer so. also lieber herr fedder, verlassen sie doch auch mal ihren weltempfänger und lassen sie sich von ihrer tochter/sohn oder enkelkind deren iPod zeigen. die welt verändert sich und mit ihr das theater. in diesem zusammenhang ist es zu bedauern, dass herr reese nun das frankfurter schauspielhaus wohl wieder zu einem konservativen ort des stillstands machen wird. zumindest ist das zu befürchten, hoffentlich täuschen sich alle kritiker...
#5 zum Ende der Intendanz Schweeger in Frankfurt 3jsteffensen 2007-09-04 15:52
Regievandalismus, Regietheater, Werktreue...
mein gott! Dachte ich werde wenigstens HIER mit solchen "gutbürgerlichen" albernheiten verschont! dann soll doch der herr fedder sein opernabo kündigen, solang er fleissig ins Schauspiel geht :-) Im Ernst: Entsetzlich, was die herren stadelmaier und matussek anrichten in den bornierter werdenden köpfen der kulturteilnehmenden bürger! entsetzlich geradewegs...
aber wer weiss, vielleicht hat herr fedder ja NICHT EINE aufführung im schauspiel gesehen..was ja durchaus AUCH journalistischer praxis entspricht!

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